Stand: 18. März 2020

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aufgrund der aktuellen Lage und dem Umgang mit den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie erreichen uns derzeit viele Fragen von Beratungsstellen. Grundsätzlich obliegen die Entscheidungen, ob und unter welchen Umständen Ratsuchende empfangen werden, beim Träger. Es lassen sich dazu keine allgemeinen Empfehlungen geben, da die Situation vor Ort sehr unterschiedlich ist. Zu berücksichtigen ist, wie stark die Region betroffen ist, wie Fachkräfte geschützt werden können, die besondere Risikofaktoren aufweisen, ob es im Team bereits Fachkräfte in Quarantäne gibt, die nicht mehr uneingeschränkt mitarbeiten können, und wie die Räumlichkeiten der Beratungsstelle es möglich machen, den nötigen Abstand bei persönlichen Gesprächen zu wahren.

Belastungen von Familien machen keine Pause und können durch die gegebenen Einschränkungen im Alltagsleben sowie durch Sorgen um die wirtschaftliche Zukunft der Familie und der Gesellschaft noch verstärkt werden oder sogar eskalieren. Das bedeutet, es müssen neue Wege gefunden werden, wie Familien in Not unkompliziert weiterhin geholfen werden kann. Die meisten Beratungsstellen weichen auf Telefonate aus. Einige bieten, unter Beachtung der Maßnahmen zur Vorbeugung, weiterhin Krisentermine an, z.B. wenn es um Kinderschutz geht. Inwieweit das geboten und vertretbar ist, muss individuell unter Beachtung der Vorgaben durch den öffentlichen Gesundheitsdienst und des Trägers entschieden werden.

Beratungsstellen, die eine Möglichkeit zur sicheren virtuellen Kommunikation haben, können diese nutzen oder kurzfristig installieren (siehe z.B. Informationen für Erziehungsberatungsstellen, Ausgabe 2/19). Darüberhinaus bietet es sich an, die bke-Onlineberatung zu empfehlen: bke-jugendberatung.de und bke-elternberatung.de . Jugendliche und Eltern finden dort anonyme Beratungsmöglichkeiten per Mail, in Einzel- und Gruppenchats sowie im fachlich moderierten Forum vor. Die bke bemüht sich gerade darum, die Beratungs-Kapazitäten der bke-Onlineberatung zu erhöhen. Alle Beratungsstellen haben bereits die Pressemitteilung der bke-Onlineberatung erhalten und Plakate, die sich gut eignen, um an der Tür der geschlossenen Beratungsstelle auf diese Möglichkeit der Unterstützung hinzuweisen.

Präventive Angebote in Gruppen oder Institutionen sind ja bereits flächendeckend abgesagt worden. Alternativ kann die Beratungsstelle auf die örtlichen Printmedien zugehen um Familien auf diesem Weg im konstruktiven Umgang mit den aktuellen Herausforderungen zu unterstützen. Auch die Tageszeitungen sind gerade auf der Suche nach Themen, da sie nicht mehr über Sportereignisse und Theaterpremieren berichten können. Eine Rubrik zum Familienleben in dieser besonderen Zeit ist da vermutlich ganz willkommen. 

Wir sind alle gefragt, mit Kreativität und Gelassenheit die Situation zu meistern. Sollten Sie weitere Ideen haben, wie Beratungsstellen reagieren können oder bereits Erfahrungen gemacht haben, was sich gut umsetzen lässt und was eher nicht, melden Sie sich gerne bei uns.

Für diese schwierige Zeit wünschen wir Ihnen alles Gute und vor allem: bleiben Sie gesund!

Viele Grüße
Silke Naudiet