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Diese vierteilige Weiterbildungsfolge kann nur komplett belegt werden!



 

 

 

Beratung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern
Entwicklungsberatung bei Regulationsstörungen der frühen Kindheit

Zunehmend melden Eltern Säuglinge und Kleinkinder in Erziehungsberatungsstellen an. Um gezielt ent­sprechende Beratungsangebote vorhalten zu können, benötigen die Fachkräfte in den Einrichtungen, die sich auf dieses Aufgabengebiet einstellen, spezielles Fachwissen über die Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter sowie der frühen Eltern-Kind-Bezie­hungen. Bei den Störungsbildern des Säuglingsalters (chronische Unruhe, exzessives Schreien, Schlaf-, Fütter- und Gedeihstörungen) und denen des Klein­kindalters (Störungen der emotionalen Verhaltens­regulation wie Spielunlust, extreme Schüchternheit oder Ängstlichkeit, exzessives Klammern oder Trotzen, oppositionelles Verhalten) handelt es sich um Interak­tionsstörungen zwischen Eltern und Kind bei der ge­meinsamen Bewältigung früher Entwicklungsaufgaben. Daniel Stern weist diese Störungen weder allein dem Kind noch den Eltern zu. In Anlehnung daran prägte die Münchener „Sprechstunde für Schreibabys" unter Mechthild Papouŝek die Bezeichnung „Regulations­störungen der frühen Kindheit". Dieser Ansatz liegt der angebotenen vierteiligen Weiterbildungsfolge „Beratung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern" inhaltlich zugrunde und orientiert sich methodisch am Konzept der Entwicklungspsychologischen Beratung (EPB) von Ute Ziegenhain (Ulm).

Ziel

Erwerb theoretischer und praktischer Grundlagen zur Beratung von Familien mit Kindern im Alter von null bis drei Jahren mit Regulationsproblemen vor dem Hintergrund von Interaktions-und Beziehungsstörungen.

Inhalte

  • Voraussetzungen und Grundlagen der Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter (Schwangerschaft, Übergang zur Elternschaft, intuitives Elternverhalten; Verhaltensregulation im Säuglingsalter, sozio-emotionale Entwicklungsmeilensteine, Bindungsbeziehungen); Schutzfaktoren
  • Probleme und Störungen der Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter (Regulationsstörungen, Bindungsstörungen) und ihre Auswirkungen
  • Risikofaktoren auf Seiten der Eltern wie Über- bzw. Unterstimulation, „Gespenster im Kinderzimmer", postpartale Depression, psychische Erkrankung
  • Risikofaktoren auf Seiten des Kindes wie schwieriges Temperament, Frühgeburt oder Behinderung
  • Vernachlässigung, Misshandlung, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz
  • Videogestützte Verhaltensbeobachtung und Interaktionsdiagnostik
  • Entwicklungsdiagnostik
  • Entwicklungsberatung bei Regulationsstörungen in der frühen Kindheit als eine besondere Form der Erziehungsberatung

 

Teil 1: Belastungen und Störungen der Verhaltensregulation imSäuglingsalter

  • Entwicklung basaler Verhaltensorganisation im Säuglings- und Kleinkindalter: Das dynamische Entwicklungsmodell von Als, Brazelton und Rauh
  • Neurophysiologische Erkenntnisse zur Verhaltensregulation
  • Einflussfaktoren auf die sozio-emotionale Entwicklung im 1. Lebensjahr (Schwangerschaft, Übergang zur Elternschaft, intuitive elterliche Kompetenzen, Feinfühligkeit, Missverständnisse in der Interaktion, Bedeutungszuschreibung der Eltern)
  • Regulation und Regulationsstörungen im Säuglingsalter (chronische Unruhe; exzessives Schreien; Schlafstörungen; Fütter- und Gedeihstörungen)
  • Einführung in die Verhaltensbeobachtung und Interaktionsdiagnostik
  • Einführung in die Arbeit mit Video
  • Beratung bei Regulationsstörungen als originäre Aufgabe von Erziehungsberatungsstellen mit speziellen Anforderungen an die Beratung; Erstgespräch; Auswahl passgerechter Eltern-Kind-Interaktionen; Entwicklungsdiagnostik; Falldokumentation

 

Teil 2: Grundlagen der Bindungs- und Beziehungsentwicklung

  • Bindungsentwicklung und Bindungsstrategien im ersten Lebensjahr
  • Desorganisation, Bindungsstörungen
  • Bindungsrepräsentationen der Eltern und ihre Wirkungen auf die sozio-emotionale Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter (z. B. „Gespenster im Kinderzimmer")
  • Einfluss von Angst, Trennung, Trauma auf die sozio-emotionale Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter
  • Auswahl (noch) nicht passgerechter Eltern-Kind-Interaktionen für die Beratung bei Regulationsstörungen; Übungen und Rollenspiele von Beratungssituationen
  • Fallsupervision

 

Teil 3: Belastungen der emotionalen Verhaltensregulation imKleinkindalter

  • Entwicklung neuer Bindungsstrategien mit der Sprach- und Autonomieentwicklung
  • Sozio-emotionale Entwicklung im 2. und 3. Lebensjahr
  • Regulations- und Beziehungsstörungen im 2. und 3. Lebensjahr (Spielunlust, extreme Schüchternheit, Ängstlichkeit, exzessives Klammern, Trotzen, oppositionelles Verhalten)
  • Übungen und Rollenspiele von Beratungssituationen
  • Fallsupervision
 

Teil 4 : Risiko- und Schutzfaktoren für Regulations- undBindungsstörungen sowie Kindeswohlgefährdung

  • Psychische Beeinträchtigungen der Eltern als Risikofaktoren für Regulations- und Bindungsstörungen des Kindes
  • Risikofaktoren auf Seiten des Kindes: Frühgeburt, chronische Krankheit, Behinderung
  • Vernachlässigung, Misshandlung, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz
  • Schutzfaktoren für eine gelingende Entwicklung im Säuglings- und Kleinkindalter
  • Übungen und Rollenspiele von Beratungssituationen
  • Vernetzung vor Ort
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • kollegiale Fallsupervision in der Beratungsstelle
  • Anliegen der Teilnehmer/innen
  • Abschlusskolloquium

Arbeitsweise und Methoden

  • Theorievermittlung
  • Videogestütztes Beobachtungstraining
  • Videogestützte Übungen der Interaktionsdiagnostik und Entwicklungsberatung
  • Übungen, Rollenspiele von Beratungssituationen
  • Fallsupervision

 Zwischen den einzelnen Kursen:

  • Erstellen, Dokumentieren und Auswerten von 3 Fällen (1 Eltern-Säuglings-Interaktion, 2 Beratungsfälle unterschiedlicher Störungsbilder, davon 1 Fall mit mind. 5 Beratungsstunden)
  • Begleitende Intervision der eigenen Beratungstätigkeit in regionalen Gruppen
  • Literaturstudium in regionalen Gruppen

 Teilnahmevoraussetzungen

  • Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung in Erziehungs- und Familienberatung
  • Zugang zu Familien mit Säuglingen und Kleinkindern im Beratungskontext
  • Möglichkeit zu videogestützter Beratung am Arbeitsplatz

 Umfang und Dauer

4 Kurse von 3 bzw. 4 Tagen (insgesamt 14 Tage) über den Zeitraum von 1 Jahr  mit mindestens 150 Zeitstunden Theorie und Praxis inklusive Literaturstudium.

Die Teilnehmerzahl ist wegen intensiver Kleingruppenarbeit auf 16 beschränkt.

Zertifizierung

Die Weiterbildung schließt ab mit einem Kolloquium über den vorgestellten Beratungsfall. Das Kolloquium ist Voraussetzung für das Abschlusszertifikat.

Leitung

Claudine Calvet
Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Forschung und Lehre an der FU Berlin und der Universität der Künste Berlin mit Schwerpunkt Entwicklungspsychologie der frühen Kindheit und deren Abweichungen, Praxis in Berlin für verhaltensauffällige Kinder mit deren Eltern, Trainerin in Weiterbildungen mit Schwerpunkt Interaktion, Supervision für die Entwicklungspsychologie der frühen Kindheit.

Dr. Gisela Lösche
Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Forschung und Lehre als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Entwicklungspsychologie an der FU Berlin, später langjährige Leiterin einer Erziehungsberatungsstelle mit Beratungsangebot für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern, Entwicklungsberatung, Supervision und Weiterbildung in freier Praxis.